Informationen - Häufige Fragen

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Was Eltern autistischer Kinder über Theraplay wissen wollen

Wie kann Theraplay
meinem Kind mit einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung helfen?

Unabhängig von Alter und Entwicklungslevel sollte ein Kind mit einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung (Autismus) Hilfen bekommen, wie es sich mit anderen Menschen in einer erfreulichen Art austauschen kann. Neurologische Probleme mit sensorischen Integrationsstörungen und Verarbeitungsstörungen sind noch zusätzlich im Wege, wenn es darum geht, dass das Kind mit anderen Kinder sozialen Kontakt aufnimmt oder zulässt. Es hat Probleme, den Anderen Signale auszusenden, auf die sie reagieren können und hat im Gegenzug aber auch Schwierigkeiten, Informationen aufzunehmen; wie zum Beispiel Sprache, soziale Zeichen (Mimik oder Gestik) zu verstehen und hat große Mühe, aus seinen Erfahrungen zu lernen. Bei Theraplay spielt man in einer bestimmten Art mit dem Kind. Dadurch macht das Kind Erfahrungen, wie man miteinander umgehen kann und die Eltern lernen beim Zuschauen, wie sie vielleicht leichter mit ihrem Kind etwas erfreuliches Gemeinsames tun können, das sich lieber zurückziehen würde.


Was passiert nun speziell in einer Theraplay-Stunde?

Das Kind sitzt, vielleicht in einem Sitzsack oder bei einer Kotherapeutin auf einer Matte der Therapeutin gegenüber, damit sie gute Möglichkeiten zum Blick- und Körperkontakt haben können. Die Therapeutin spielt mit dem Kind, aber ohne symbolisches Spielzeug. Wichtig ist der Kontakt zueinander wie bei Müttern mit ihren kleinen Kindern. Die Spiele werden für das jeweilige Kind und seine Stärken und Schwächen, seine Empfindlichkeiten und Bedürfnisse ausgesucht. Autistische Kinder brauchen durch ihre Art Störung eine sorgsame und langsame Vorgehensweise, damit sie verstehen und nachvollziehen können. Sie mögen Aktivitäten, die sich wiederholen, weil sie sie besser verstehen können, sie ihnen vertrauter vorkommen. Daher baut die Therapeutin in einer liebevollen Weise Rituale auf, die das Kind sicherer machen. Das sind Verslein, Bewegungsverse, füttern, Heile Segen eincremen u.a. Nach und nach, wenn das Kind soweit ist, bietet sie ihm immer wieder kleine Spiele an, wie seine eingecremten Hände festhalten und herausziehen lassen. Oder sie versteckt kleine Tierchen an ihm und lässt sie suchen. Da die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, sich in Interaktionen einzulassen, so unterschiedlich bei den autistischen Kindern und ihrer Tagesform ist, muss sie alles immer wieder anpassen. Ein Spiel verändern, ein anderes kürzen, ein drittes wiederholen. Sie wird bei größerer Empfindlichkeit des Kindes leiser, dann wieder lauter sprechen, um seine Aufmerksamkeit wieder zu erlangen.


Mein Kind würde lieber alleine mit ganz bestimmten Spielsachen spielen; ist es gut, es zu zwingen, so anders zu spielen?

Dass ein autistisches Kind am Anfang diese Art der Theraplay Spiele und Interaktionen, mit denen es noch nicht vertraut ist, nicht mag, ist verständlich und meist der Fall. Wir glauben aber, dass wir seine Isolation vergrößern würden, wenn wir es so lassen, wie es will. Wir denken, es braucht liebevolle Führung und Anregungen, um aus seinem „Für-sich-sein“ wieder herauszukommen. Theraplay Therapeutinnen sind sensibel und achten sehr darauf, dass die Führung nicht zwanghaft, sondern liebevoll ist. Ist das Kind aufgeregt oder ärgerlich, dann beruhigen und trösten sie es, wie Sie als Eltern es auch tun würden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Kind dann nach ein paar Sitzungen zeigt, dass es beginnt, Spaß zu haben an unseren Spielen. Dann ist es nicht mehr so angespannt, schaut öfter hin und beginnt auch mal zu lächeln.


Ist Theraplay eine Art Verhaltenstherapie?

Bei Theraplay versuchen wir auch, Verhalten zu verändern. Wir übernehmen von der Verhaltensmodifikation gewisse Werkzeuge dazu. So „übersehen“ wir Verhaltensweisen, die nicht passend sind (z.B. Ticks) oder wir verhindern Verhaltensweisen (z.B. schlagen), indem wir den Arm kurz festhalten. Mehr Beachtung wird dem Aufbau der sozialen Verhaltensweisen geschenkt, die die Kindern beim Miteinander mit anderen Menschen brauchen wie Blickkontakt, das gegenseitige Mitmachen, das Nachmachen, der Aufbau der Sprache, der Körperkontakt.
Anders wie bei der Verhaltensmodifikation versuchen wir bei Theraplay den Kindern ein Gefühl des Selbst, das Bewusstsein vom Selbst-Sein zu geben. Sie lernen ihren Körper erst einmal kennen, sie erfahren, was sie mit ihrem Körper machen und wie sie ihn empfinden können. Ohne das Körper-Selbst kann das Kind kein Ich-Bewußtsein und Sprache entwickeln.


Mit welchem Zeitaufwand
muss ich bei einer Theraplay Therapie mit meinem autistischen Kind rechnen?

Evaluationsforschung zur Wirkung von Theraplay hat gezeigt, dass das soziale Interaktionsverhalten von autistischen Kindern sich durchschnittlich nach 27 Theraplay Sitzungen signifikant verbessert hat.
Zwar ist Theraplay eine Kurzzeittherapie, aber oft brauchen autistische Kinder bis zu ca. 40 Theraplay Sitzungen, wobei einmal pro Woche 30 Minuten behandelt wird. Gemessen an der Schwere der Erkrankung eines Kindes an Autismus ist das wirklich noch eine kurze Zeit. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder mit frühkindlichem Autismus nach Theraplay mehr von anderen darauf aufbauenden Therapien (Verhaltenstherapie, Logopädie) profitieren können, weil sie zugänglicher und kommunikativer geworden sind.


In welchen Bereichen und wie
verändern sich autistische Kinder durch Theraplay?

Die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung (Wettig 1999) weisen darauf hin, dass sich in der Interaktion deutlich die Kooperativität, dann die Empathie (Einfühlsamkeit) und die Zurückgezogenheit verbessert hat. Bei den Antriebsstörungen fand sich eine Verbesserung der Aufmerksamkeit und dann der Antriebsarmut, die allzu ruhigen Kinder sind also aktiver geworden. Bei den Ängsten hat sich die Trennungsangst verbessert. Deutliche Verbesserung beim Spielen und ein Rückgang der abnormen Gewohnheiten. Obgleich Sprache nicht im Vordergrund stand, hat sich die Artikulationsgenauigkeit stark verbessert, aber auch das Sprachverständnis.

Wird Theraplay von der Krankenkasse bezahlt?

Wenn Logopädinnen oder Ergotherapeutinnen  einen Vertrag mit den Krankenkassen haben und Theraplay anwenden, dann rechnen sie mit ihrem normalen Satz ab. Wird eine zweite Therapeutin gebraucht, so kann mit der Krankenkasse über einen Sondervertrag für diese Therapie verhandelt werden. Meist  sind es die Krankenkassen, die schon gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Theraplay gemacht haben, die solch einem Vertrag zustimmen.
Fragen Sie im Zweifelsfall Ihre Theraplay Therapeutin oder ihre Krankenkasse.


Woher weiß ich, ob Theraplay für mein Kind die Therapie der Wahl ist?

Das können Sie am besten herausfinden, wenn Sie Ihr Kind einer Theraplay-Therapeutin vorstellen und die Frage mit ihr besprechen. Sie weiß, bei welchen Kindern Theraplay eher wirkt und bei welchen vielleicht eine andere Therapiemethode günstiger wäre.


Wie finde ich eine/einen Theraplay-TherapeutIn in der Nähe meines Wohnorts?

Auskünfte über Theraplay-Therapeutinnen in Deutschland und Österreich (in der Schweiz gibt es noch keine), die nach ordnungsgemäßer Ausbildung, Supervision und Prüfung die Lizenz zur Anwendung von Theraplay erhalten haben,  erteilt Ulrike Franke,
D-68723 Oftersheim, Mozartstr. 1, Tel. 06202-54051
email: Franke.Theraplay@t-online.de , Fax 06202-54958


Gibt es mehr Theraplay Therapeutinnen in Institutionen oder sind sie eher in Praxen zu finden?

Zur Zeit sind ungefähr die Hälfte der Theraplay Therapeutinnen in Institutionen beschäftigt, die andere Hälfte arbeiten niedergelassen in Praxen. 


Wer kann Theraplay Kurse besuchen? Wer kann die Ausbildung machen?

Grundsätzlich kann jede/r die Kurse besuchen, ob das Therapeutinnen (z.B. Sprachtherapeutinnen, Logopädinnen, Ergotherapeutinnen, Psychologinnen, Mototherapeutinnen, Heilpädagogen), Eltern, Lehrer, Erzieherinnen, Betreuerinnen oder auch Ärzte sind.
Die Ausbildung zur/zum Theraplay Therapeuten/in mit Lizenz kann nur durchgeführt werden, wenn die Möglichkeit besteht, Kinder zu behandeln. Denn zur Ausbildung gehören nicht nur Kurse, sondern auch supervidierte Behandlungen und eine Prüfung.  (mehr Informationen zur Ausbildung beim Punkt „Kurse“ in dieser Homepage)


Wie kann ich mich noch intensiver über Theraplay informieren als hier über die Webseite?

Zur Information stehen schriftliche Medien zur Verfügung und mündliche.
Zu den schriftlichen:
Das englischsprachige Buch über Theraplay von Jernberg/Booth ist im Jossey-Bass Verlag in San Francisco in der 2. Auflage erschienen.
Die deutsche Übersetzung der 1. Auflage dieses Buchs ist leider vergriffen, manchmal kann man es antiquarisch noch erwerben.
Seit vielen Jahren erscheint eine Zeitschrift über Theraplay, die anfangs Theraplay Journal hieß, dann in Schwierige Kinder – verstehen und helfen umgenannt wurde. Darin erhalten Sie viele Informationen zu den unterschiedlichsten Aspekten von Theraplay, oft in Form von Falldarstellungen.
Intensiver und vor allem persönlicher können Sie sich informieren, indem Sie an einem Einführungskurs teilnehmen oder eine Theraplay Therapeutin zu einem Vortrag in Ihrem Heimatort einladen. Manchmal lässt es sich auch machen, dass Sie hospitieren bei einer Behandlung. Fragen Sie deshalb eine Ihnen bekannte (oder Ihnen von Ulrike Franke genannte) Theraplay-Therapeutin.
Wenn Sie Interesse an visuellen Medien haben:
Das amerikanische Theraplay Institute, Chicago (www.theraplay.org) hat CDs und Videos von Theraplay Behandlungen in Ihrem Angebot.