Struktur der Ausbildung

Theraplay Ausbildungs-Curriculum und Erwerb der Lizenz als Theraplay Therapeutin

Zielgruppen

Die Theraplay-Einführungs- und Aufbaukurse können grundsätzlich von Mitgliedern aller Heilberufe und auch von Eltern „schwieriger“ Kinder und Jugendlicher besucht werden, auch wenn keine systematische Fortbildung oder die Lizenz zur Theraplay- oder Gruppen-Theraplay-Therapeut/in angestrebt wird. Es wird als lohnend gesehen, Theraplay kennen zu lernen und Elemente in andere Therapieformen zu integrieren bzw. im häuslichen Umgang mit schwierigen Kindern einzusetzen. Wer jedoch Theraplay- oder Gruppen-Theraplay-Therapeut/in werden möchte, hat sich dem gesamten Curriculum zu unterziehen und seine Aktivitäten als Therapeut/in supervidieren zu lassen.

Theraplay wurde von Ann M. Jernberg im Rahmen des amerikanischen Head Start Projekts ausdrücklich mit dem Ziel entwickelt, eine Therapieform anzubieten, die nicht nur von professionellen Kinder- und Jugendtherapeut/innen, Kinder- und Jugend-Psychiater/innen, Psychologischen Kinder- und Jugendpsychotherapeut/innen ausgeübt werden kann. Denn, gemessen an der Vielzahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen ihrer sozio-emotionalen, kommunikativen oder Verhaltensauffälligkeiten therapiert werden müssten, gibt es viel zu wenige approbierte Kinder- und Jugendpsychotherapeut/innen und zu wenige therapeutische Einrichtungen, in denen sie behandelt werden können.

Deshalb hat der amerikanische Staat seinerzeit Ann M. Jernberg die Aufgabe gestellt, eine wirksame Kurzzeittherapie zu entwickeln, deren Wirkung auf Symptome verhaltens-auffälliger Kinder nachhaltig und zugleich wirtschaftlich effizient ist. Theraplay sollte von verschiedensten Menschen erlernt werden können, die eine Begabung im Umgang mit Kindern haben. Man begann damals, Theraplay bei sozial benachteiligten Kindern anzuwenden, fand aber bald, dass auch Kinder mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen sehr gut auf Theraplay ansprachen. Nach und nach erweiterten sich die Indikationen immer mehr.

Ganz bewusst wurde auch den Eltern „schwieriger“ Kinder angeboten, Theraplay zu erlernen, um im Alltag mit ihren Kindern leichter und mit weniger Stress umgehen zu können - um zugleich die therapeutischen Bemühungen der ausgebildeten Theraplay Therapeutinnen zu unterstützen.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit kann folgenden Zielgruppen die Teilnahme an Einführungs- und Aufbaukursen in Theraplay empfohlen werden:

  • Einführungskurse in Theraplay, Gruppen-Theraplay und der Kurs 'Umgang mit den Eltern' sind für alle geeignet, die mit „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen zu tun haben, nicht nur für Therapeutinnen, Frühförderinnen und Heilpädagoginnen, sondern auch für Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen und für die Mütter und Väter solcher Kinder.
  • Aufbaukurse zur Anwendung von Theraplay und Gruppen-Theraplay mit dem Ziel der Verringerung bestimmter Symptome und der Verbesserung der sozialen Kommunikation und Interaktion sind – u.a. wegen der Übungen mit Rollenspielen und der Diskussion von Fallbeispielen – geeignet, Elemente dieser Therapie in die alltägliche Praxis zu übernehmen, ohne das der Anspruch erhoben werden darf, dass das bereits Theraplay sei. Viele der Elemente von Theraplay lassen sich in andere Therapieformen integrieren und erleichtern die funktionale Behandlung schwieriger Kinder.
  • Themenzentrierte Aufbaukurse werden empfohlen für:
    - Therapeutinnen, die Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen behandeln
    wie Logopädinnen, Sprach- und Sprechtherapeutinnen, Sprachheilpädagoginnen,
    Sprach- und Stimmlehrer/innen, etc.
    - Therapeut/innen, die emotionale und soziale Verhaltensauffälligkeiten behandeln
    wie Kinder- und Jugendpsychiaterinnen, Psychologische Psychotherapeutinnen,
    Ergotherapeutinnen, Spieltherapeutinnen, Heilpädagoginnen, Motopädinnen, etc.
    - Alle, die in ihrem Beruf mit „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen konfrontiert sind
    wie Sozialarbeiterinnen, Pädagoginnen, Sondererzieherinnen, Erzieherinnen,
    und eben auch die Eltern von schwierigen Kindern.
  • Kurse zum 'Umgang mit den Eltern' sind für alle Therapeutinnen und Fachleute gedacht, die in ihrer Praxis Elterngespräche führen und Eltern beraten müssen.
  • Einführungs- und Aufbaukurse zur Diagnostik der Eltern-Kind Interaktion mit der Heidelberger Marschak Interaktions-Methode (H-MIM) sind für jene wichtig, die selbst diagnostizieren müssen oder die Lizenz als Theraplay Therapeut/in erwerben möchten, aber vor allem auch für psychologische Gutachterinnen. 
  • Supervision der Anwendung von Theraplay nehmen alle jene in Anspruch, die ihre Fortbildung mit der Lizenz als Theraplay Therapeut/in abschließen möchten. Aber es gibt durchaus die Möglichkeit, auch außerhalb des Ausbildungsprozesses Supervisionen in Anspruch zu nehmen.
  • Theoretische und praktische Prüfung müssen alle ablegen, die eine Lizenz als Theraplay Therapeut/in erwerben möchten. (Die Lizenz muss jährlich erneuert werden.)

Nur lizenzierte Therapeutinnen dürfen sich verbal und schriftlich als 'Theraplay-Therapeutin' bezeichnen. Missbrauch des Anspruchs durch nicht lizenzierte Dritte wird durch strafbewehrte Abmahnung juristisch verfolgt. Die Lizenzierung auf Basis einer vollständigen Fortbildung mit Supervision und Prüfung hat den Zweck, den Qualitätsstandard der Behandlung mit Theraplay zu gewährleisten und durch ständige Fortbildung aufrecht zu erhalten.

Ausbildungs-Curriculum
zum Erwerb der Lizenz als Theraplay Therapeut/in

Zugangsvoraussetzungen für eine Ausbildung zur lizenzierten Theraplay-Therapeutin

  • Mindestalter von 24 Jahren.
  • Möglichkeit, therapeutisch zu arbeiten.
  • Nachweis der Teilnahme an einem psychotherapeutischen Selbsterfahrungsprozess.
  • Eignung der Auszubildenden für das therapeutische Verfahren Theraplay.
  • Absolvierung aller vorgeschriebenen Kurse.
  • Hospitation bei einer Theraplay-Therapeutin.
  • Supervision von mindestens drei Theraplay-Therapien.

Zugangsvoraussetzungen für eine Ausbildung zur Gruppen-Theraplay-Therapeutin

  • Mindestalter von 24 Jahren
  • Möglichkeit, mit Gruppen zu arbeiten.
  • Eignung der Auszubildenden für das gruppentherapeutische Verfahren.
  • Absolvierung der vorgeschriebenen Kurse
  • Supervision von mindestens drei Gruppen.

Module der berufsbegleitenden Ausbildung zur Theraplay-Therapeutin

  • 1 Einführungskurs in Theraplay.
  • 5 Aufbaukurse zur Anwendung von Theraplay
    - bei Widerstand, oppositioneller Verweigerung, Aggressivität,
    - bei Aufmerksamkeitsstörung (ADS) und Hyperaktivität (ADHS),
    - bei Wahrnehmungsstörungen,
    - bei Autismus Spektrum Störungen,
    - bei Sprachstörungen und Behinderungen (incl. geistiger Behinderung)
  • Kurs „Umgang mit den Eltern“.
  • Grundkurs in Interaktionsdiagnostik
    mit der Heidelberger Marschak Interaktions-Methode (H-MIM).
  • Supervision
    der Behandlung von drei Patientinnen mit Theraplay anhand Videoaufzeichnungen.
  • Praktikum/Hospitation (optional)
    es wird sehr empfohlen, mindestens ein Mal während der Ausbildungszeit ein Theraplay Praktikum zu absolvieren.
    Bericht einer Praktikantin zum herunterladen
  • Abschlussprüfung, umfasst
    - zwei Therapiesitzungen (das zu behandelnde Kind wird gestellt),
    - eine mündliche Ausarbeitung (Therapieplan des behandelten Patienten)
    - ein Gespräch über verschiedene Therapiesituationen und zu kritischen 
       Fragen von Außenstehenden
    - eine schriftliche Ausarbeitung (freie Themenwahl im Sachbereich),
    zur Veröffentlichung in der Zeitschrift „Schwierige Kinder – verstehen und helfen“.

Lizenz als Theraplay Therapeut/in

  • Die Lizenz als Theraplay-Therapeutin
    wird nach bestandener Abschlussprüfung für jeweils ein Jahr erteilt.
    Die Lizenz muss mit einer Lizenzgebühr (monatl. max. EURO 7,50) jährlich erneuert werden und der Nachweis für eine Weiterbildung erbracht werden.
  • Voraussetzungen für die jährliche Erneuerung der Lizenz (optional)
    - einmal jährlich Teilnahme an einer Gruppen-Supervision (Termin nach Vereinbarung)
    - einmal jährlich Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung (Expertentreffen).
    - Veröffentlichung eines Artikels, Vorstellung von Theraplay vor Fachleuten
    - Einzelsupervision eines Patienten u.ä.